~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Themen dieser Seite : Anzucht aus Samen aus Steckling aus der Natur ( Jamadori ) aus der Baumschule Abmoosen
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Um Jungpflanzen für die Bonsaigestaltung zu erhalten, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
aus Samen : ! Nur für sehr geduldige Bonsai-Gärtner geeignet !
Bonsai aus Samen - die langwierigste Art der Bonsaigestaltung. In neuerster Zeit bieten unseriöse Händler "Bonsai-Samen" an, was eine Irreführung ist - denn Bonsai-Samen gibt es nicht !! ---> mehr dazu bei bonsai-info.net <--- Uwe Harwardt hat das auf seiner sehr infomativen Seite wunderbar beschrieben.
Ich möchte unbedingt davon abraten, exotischen "Bonsai-Samen" zu kaufen und versuchen, daraus Bonsai zu ziehen. Der Erfolg ist für Anfänger gleich NULL ( oder große Glücksache )
Alle ! Bonsai sind ganz normale Bäume, die nur durch verschiedene Manipulationen klein gehalten werden.
Bei einem herbstlichen Spaziergang findet man immer wieder Samen der verschiedensten Bäume, die es wert sind, ein Bonsai zu werden.
Wer Samen einheimischer Bäume sammelt, schaft sich beste Voraussetzungen für gute, robuste, unproblematische Outdoor.
Möchte man nicht unbedingt möglichst schnell einen stattlichen Baum präsentieren wollen, hat die Anzucht aus Samen ihren besonderen Reiz, aber auch Vorteile bei der Formgebung. Bei einigen Arten ist es vorteilhaft, den Sämling von den ersten Tagen an zu formen. So bei streng aufrechten Formen, oder bei besonders gedrungenen Stammformen.
Um niedrige, gedrungene Baumformen zu erreichen beachte man folgendes: * Die Anzuchterde sollte möglichst nährstoffarm sein- Ein Gemisch aus 2 Teilen Torfmull oder gut verrottete Lauberde und 1 Teil Sand oder feinen Kies. ( Komposterde eignet sich nicht ) * Der Standort sollte möglichst hell sein, um ein starkes Längenwachstum zu verhindern. ( einige Arten sind aber empfindlich gegen pralle Mittagssonne )
Besonderen Reiz haben früchtetragende Bonsai. So können zB. alle Obst-Arten zu Bonsai gestaltet werden. ( Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume, Pfirsich, Johannisbeere usw.) Aus Samen gezogene Obstbäume kehren oft in ihre Wildform zurück und bilden als Bonsai kleine Früchte aus.
Auch Zwergformen, wie Zierquitte, Zierapfel usw. sind sehr gut geeignet.
Samen einiger Arten müssen durchfrieren um keimen zu können : zB.: Kirsche, Apfel, Schlehe, Weißdorn, Haselnuß, Heidewacholder Diesen Samen legt man in eine mit Sand gefüllte, große Schale, bedeckt ihn mit etwas Sand, legt eine Folie darüber und stellt diese Schale an einem schattigen Ort, den Winter über ins Freie. Die Folie soll vor Nässe und Austrocknen schützen. Meist erscheinen dann auch die ersten Keimlinge im Frühjahr, einige aber auch erst etwas später.
Weichschalige Samen können zum Teil schon im Herbst ausgesät werden, oder man lagert sie trocken und luftig bis zum Frühjahr und sät dann aus. Einheimische Ahornarten sind Lichtkeimer und können auch schon im Erntejahr (Herbst) ausgesät werden. Dazu werden die Samen auf Sand gelegt, mit Wasser angesprüht, und mit einem Blatt Zeitungspapier bedeckt, dies verhindert das Austrocknen und läßt genügend Licht hindurch.
Das Anzuchtgefäß, zB einen Blumenkasten, stellt man an einem schattigen Platz auf den Gartenboden.
Die jungen Sämlinge pikiert man, sobald das 3. oder 4. Blatt erscheint, in einen nicht zu kleinen Topf in gute Blumen- oder Bonsaierde. Bei gutem Wachstum kann der Sämling im selben Jahr noch einmal in einen größeren Topf umgetopft werden. Im Frühjahr des folgenden Jahres wird das erste Mal geschnitten. Je nach gewünschter Stammhöhe kürzt man den Sämling ein ( Bild 1 ) Neu entstehende Triebe läßt man auf 6-8 Blätter wachsen und kürzt dann auf 2-3 Blätter ein ( Bild 2 )
Bei mutigem Rückschnitt kann man einen kurzen Stamm und eine gedrungene Krone erreichen. Hierbei beachte man die allgemeinen Schnittregeln ! ( unter "Wachstumsgesetze"und"Schneiden der Triebe"beschrieben )
aus Steckling: Die Anzucht aus Stecklingen bringt einen kleinen Zeitvorteil: Bei Kopfstecklingen zwar nur ein Jahr, aber wenn man bei einigen leicht bewurzelnden Arten geschickt, schön verzweigte Stecklinge auswählt -
kann der Zeitgewinn einige Jahre sein. Dazu geht man ins 1 - 2 jährige Holz.
Geeignete Arten für diese Variante: zB.; Weiden, Berberitze, Liguster, Feldahorn, Feuerdorn, Ulme aber auch viele Koniferen.
Die richtige Zeit : bei Laubgehölzen ist März oder Ende Juli, Mit Erfolg habe ich aber auch im April Stecklinge bewurzelt.
bei Nadelgehölzen anfang September oder April, wobei die Wurzelbildung bei Nadelgehölzen ein Jahr und länger dauern kann.
Ich persönlich tauche meine Stecklinge in Bewurzelungshormon und stecke sie in frisch gelockerten Gartenboden, windgeschützt in vollem Schatten, und sorge für stets gleichmäßige Feuchtigkeit.
Setzt man Stecklinge in Töpfe oder Kästen, sollte die Erde locker, sandig und nährstoffarm sein, dies fördert die Wurzelbildung, da der Steckling nach Nährstoffen suchen muß.
Liguster auf Natursteinplatte in Floßform Steckling wurde waagerecht auf die Erde gelegt und bekam vier Austriebe.
! ! Auf keinen Fall sollte man Stecklinge in Wasser bewurzeln wollen. Die Stecklinge würden im Wasser nur spezielle Wasserwurzeln bilden. Pflanzt man nun den Steckling in Erde, müßten völlig neue Wurzeln gebildet werden, was den Steckling stark schwächen würde. Sogar einige Gärtner geben diese falschen Tipps.
aus der Natur: Einige meiner Bonsai sind Findlinge aus der Natur ( Jamadori ) In der Natur findet sich oft geeignetes Rohmaterial zur Bonsaigestaltung. Meist an Waldrändern oder in der Nähe größerer Baumgruppen, finden sich durch Wildverbiß und Witterung klein gebliebene Pflanzen. Man beachte aber die gesetzlichen Regelungen ! zB. die Eigentumsverhältnisse.
Wer die Möglichkeit hat, findet aber die besten Jamadori in höheren Lagen, auf steinigem Grund, nahe der Baumgrenze. Diese, durch Wind, Schnee, Eis und Wildverbiß klein und gedrungen gebliebenen Bäumchen bleiben aber den erfahrenen Bonsai-Gärtnern vorbehalten, denn es bedarf sehr viel Erfahrung und Geschick, einen solchen Baum, mit meist meterlangen Wurzeln, ohne Schaden zu bergen. Die Technik dazu möchte ich hier nicht weiter beschreiben Wer mehr darüber wissen möchte : Wolfgang Putz beschreibt auf seiner Web-Site Ungestaltete Jamadori
Für etwas bescheidene Ansprüche können Jungpflanzen in der Natur gesammelt werden.
Dazu ein paar Tipps: Sammelt man noch kleine, jüngere Pflanzen, so können diese zur Pflanzzeit ausgegraben werden. Die Wurzeln dabei möglichst wenig beschädigen. Diese werden dann vor dem Einpflanzen etwas zurückgeschnitten. Man pflanzt erst einmal in einen größeren Topf, so dass sich ein Wurzelballen mit stammnahen Faserwurzeln bilden kann. Ein Jahr später kann dann in eine Bonsaischale gepflanzt werden, wobei die Wurzeln wieder zurückgeschnitten werden.
Will man etwas größere Bäumchen sammeln, geht man wie folgt vor: Da größere Bäume ein weit verzweigtes Wurzelwerk ausgebildet haben, sollte man im Frühjahr mit einem Spaten in angemessener Entfernung (30 - 60 cm Durchm. - je nach Alter und Größe des Baumes) um den Stamm herum, senkrecht in die Erde stechen, so dass zu lange Wurzeln abgetrennt werden. Der Baum bleibt dabei ein Jahr an seinem Standort stehen. Meist haben sich dann in Stammnähe genügend Faserwurzeln gebildet, um den Baum ausreichend zu versorgen.
Bei Bäumen mit Pfahlwurzel (Kiefer) kann die Bildung von genügend seitlichen Faserwurzeln aber länger dauern. Hierbei sollte man das Umstechen 1-2 Jahre wiederholen, bevor man ausgräbt. Da die Pfahlwurzel beim Pflanzen in eine flache Kiste abgetrennt werden muß, sollten im oberen Bereich genügend seitliche Wurzeln vorhanden sein.
Der Baum wird dann im Frühjahr zunächst in eine ausreichend große Holzkiste gepflanzt. Etwas schattig aufstellen. Jährlich, im Frühjahr wird nun umgetopft, wobei jedesmal die Wurzeln eingekürzt werden, bis er endlich genügend stammnahe Faserwurzeln gebildet hat und in eine Bonsaischale gepflanzt werden kann.
Eine andere Methode wäre auch - den Baum für 3-4 Jahre in ein Gartenbeet zu pflanzen, dabei wird er jedes Jahr im Frühjahr ausgegraben, die Wurzeln gekürzt und wieder eingepflanzt. Dies fördert die Entwicklung zu einem "schalenfähigen" kräftigen Baum.
aus der Baumschule: Ein Teil meiner Pflanzen habe ich aus der Baumschule oder vom Pflanzenhändler, die ich dann versuche, zu einem Bonsai zu gestalten. In den äußersten Ecken der Baumschulen findet man oft Pflanzen, die nicht "normal" gewachsen sind ( kurzer, gedrungener oder krummer Stamm ) welche es aber wert sind, ein Bonsai zu werden. Da diese nicht besonders graziös gewachsenen Pflanzen nicht so gefragt sind, können sie schon mal ein Alter von 10 - 15 Jahren haben. Es werden auch kleinwüchsige oder Zwergformen angeboten, die sich leicht zu einem guten Bonsai gestalten lassen. Diese Methode bringt einen großen zeitlichen Vorteil. Also Augen auf - es lohnt sich !
Abmoosen:Das Abmoosen ist auch eine Art der Gestaltung, wenn beispielsweise ein Bonsai mit einer schönen Krone einen zu langen, oder unharmonischen Stamm hat. Dazu wird unterhalb der Krone abgemoost.
Um eine neue Pflanze zu erhalten, kann man einen schönen, bonsaiähnlichen Ast eines freiwachsenden Gehölzes abmoosen.
Meine Technik bei Laubgehölzen : An der Stelle, an der sich Wurzeln bilden sollen, schneide ich zwei parallele Schnitte um den Zweig oder Stamm herum. Der Abstand der beiden Schnitte ist ca so groß wie der Zweig dick ist. Der Rindenstreifen dazwischen wird herausgetrennt. Diese Stelle betupfe ich mit Bewurzelungshormon und binde reichlich Moos herum. In einen normalen Plastik- Blumentopf kommt in den Boden ein Loch in der Größe des Zweigdurchmessers.. Dann wird der Topf senkrecht bis zum Loch aufgeschnitten und um den Zweig herumgelegt, mit Bonsaidraht zusammengehalten und befestigt. Diesen Topf fülle ich mit Bonsaierde. Die Erde im Topf muß nun immer feucht gehalten werden, die Mutterpflanze wird normal gegossen.
Eine einfache Möglichkeit: Man bindet, wie auf Bild 2, Folie um die behandelte Stelle. ( natürlich auch prall mit Moos gefüllt )
Die beste Zeit ist Mitte bis Ende April. Nach 4-6 Monaten, je nach Art, kann man vorsichtig nachsehen, ob sich reichlich Wurzeln gebildet haben, in diesem Fall kann man den neu gewonnenen Bonsai unterhalb der Wurzeln abtrennen und in eine Schale ( Topf ) pflanzen. Sind nicht genügend Wurzeln vorhanden, wird der Topf wieder angebracht und neu mit Erde gefüllt.
Natürlich wird man diesen neuen Bonsai mit besonders viel Liebe hegen und pflegen !
! ! Zum Abmoosen nehme ich jenes Moos, welches bei mir reichlich im Rasen wächst, welches der Kleingärtner im Rasen so ungern sieht.
Technik bei Nadelgehölzen :
Bei Nadelgehölzen schneidet man keine Kerbe, sondern bindet einen Kupferdraht fest um die Stelle, die zu bewurzeln ist, und klopft mit einem kleinen Hammer leicht auf den Draht, so daß kleine Verletzungen in der Rinde entstehen. Diese Verletzungen fördern die Wurzelbildung. Die Stelle mit Bewurzelungshormon behandeln. Weiter verfahren wie bei Laubgehölzen. April - Mai kann abgemoost werden. Die Wurzelbildung kann bei Nadelgehölzen 1 - 5 Jahre dauern.
Dickenwachstum von Stamm und Ästen
Hat man sich eine Jungpflanze herangezogen, möchte man vielleicht ein schnelleres Dickenwachstum von Stamm und Ästen. Dazu kann man die Pflanze zunächst in etwas größere Töpfe mit nährstoffreicher Erde pflanzen. Das erfordert aber einen regelmäßigen Triebschnitt, um den Baum seine Form zu geben. ( unter " Pflege-Tips - schneiden" beschrieben ) Auch kann man die Triebe etwas länger wachsen lassen, und schneidet erst später zurück, was auch einer Stammstärkung förderlich ist.
Startseite